Der HVL-Kalender 2017

Wie schon beim 2015er HVL-Jubiläumskalender möchten wir auch beim aktuellen Heimatkalender 2017 die Gelegenheit nutzen, Ihnen weitergehende Informationen zu den dargestellten Objekten anzubieten. Außerdem können Sie auf einer digitalen Karte die genaue Lage der Motive nachvollziehen. Hier geht es zur Übersichtskarte!
(Eine Sicherungskopie des 2015er Jubiläumskalenders finden Sie hier)

Titelbild Heimatkalender 2017: Badestrand an der Lesum (1926)
Zur Verfügung gestellt von A. Lorenzen

Eine Sandbank gegenüber dem damaligen Lesumhafen diente lange Zeit als Lesumer Badestrand, bevor im Jahr 1936 auf der Lesumer Seite ein Strandbad öffnete. Das Foto zeigt als vierten von links den Lesumer Lehrer Wilhelm Martens (1883-1971), der es seinem Schwager Heinrich Kattenhorn 1926 nach New York schickte.

Januar 2017: Wohnhaus Friedrich Kranz (1965)

Quelle: HVL-Archiv

Das Firmenschild weist zum Friedrich Kranz Eisenwarengroßhandel, der seit 1953 auf dem ehemaligen Betriebsgelände der Töpferei Vielstich ansässig war. Die ersten Geschäftsräume nach der Gründung (1945) befanden sich zunächst im Fahrradgeschäft von F. Kranz‘ Schwiegereltern in der Bremer Heerstraße 43. Nach kurzer Übergangszeit in Burg zog das Unternehmen 1972 in einen Neubau in Oslebshausen. Hinter dem Firmenschild befindet sich links das damalige Wohnhaus der Familie Friedrich Kranz mit der prägnanten Blutbuche, die auch heute noch dort steht. Die Häuser auf der rechten Straßenseite gibt es heute nicht mehr: vorne das Wohnhaus Hahndrich am Standort des späteren Neubaus von Feinkost/Fleischwaren Boes (heute „Kurios“), dahinter das Wohnhaus Herbst/Weckesser und im Hintergrund ein weiteres Gebäude, etwa auf Höhe des heutigen Sparkassen-Parkplatzes. Können
Sie das Gebäude identifizieren? Helfen Sie uns!

Februar 2017: Reihenhaussiedlung Beckers Barg (1960)
Quelle: HVL-Archiv

Das Foto zeigt die Reihenhaussiedlung Beckers Barg in Burgdamm im Winter 1960, nach Fertigstellung des Außenringes. Die Straße trägt ihren Namen nach dem Bauern und Fuhrmann Becker, der Ländereien unweit dieser Anhöhe besaß. Das 1888 errichtete Gebäude des Hof Becker an der Burgdammer Straße (gegenüber Beckers
Barg) wurde Anfang der 1970er Jahre abgebrochen. Auf dem Geestrücken befand sich etwa 200 m östlich die 1618 errichtete, bis 1927 betriebene und 1964 gesprengte Burgdammer Windmühle.

März 2017: Gaststätte Deutsches Haus (Ei-Ei) (1968)
Quelle: HVL-Archiv

Die Gaststätte „Deutsches Haus“ in der Hindenburgstraße war jahrzehntelang der gesellschaftliche Mittelpunkt Lesums. Auf dem großen Saal im Obergeschoss der im Volksmund nach dem beleuchteten ovalen Werbeschild an der Fassade („Ei-Ei – und Du fährst vorbei?“) „Ei-Ei“ genannten Gaststätte fanden viele große Feiern und Bälle statt. Hier haben sich viele (nicht nur) Lesumer beim Tanzen kennengelernt. Von der Haltestelle vor der Gaststätte fuhr der Schnellbus direkt ohne weiteren Halt durch bis zum Wall. Die Gaststätte in dem 1849 errichteten Gebäude wurde 1962 endgültig geschlossen, 1968 wurde das baufällige Gebäude schließlich abgebrochen. In dem 1971 an dieser Stelle errichteten Geschäfts- und Wohnhaus ist u.a. die Lesumer Reinigung ansässig. Die legendäre „Ei-Ei“-Reklame wird bis heute beim Lesumer Heimatverein verwahrt.

April 2017: Schmiede und Schlosserei Stordtmann (1968)
Quelle: HVL-Archiv

Die einstige Schmiede wurde 1810 von Andreas Christian Stordtmann begründet. Vermutlich 1883 erfolgte der Umzug von der Bördestraße (gegenüber dem Friedhofseingang) zur Schneiderstraße, an der Abzweigung An der Lesumer Kirche / Lesmonastraße. Der Nachkomme Wilhem Arenholdt Stordtmann führte den Betrieb als Maschinen- und Bauschlosserei bis zu seinem Tod im Jahre 1961. Rechts im Bild das ehemalige Stordtmannsche Wohnhaus, links die Werkstatt. Im Vordergrund entlädt der dreirädrige Goliath-Lieferwagen der Konditorei Minkwitz aus der Stader
Landstraße. Wenige Wochen nachdem dieses Foto entstand wurden Wohnhaus und Werkstatt abgerissen und das Grundstück mit einem Mehrfamilienhaus bebaut.

Mai 2017: Gärtnerei Dohr (ca. 1968)
Foto: R. Dohr

Die im Jahr 1909 von Hermann Dohr gegründete Gärtnerei wurde nach dem Krieg von Hermann Dohr jr. geführt und mit modernen Gewächshäusern erheblich vergrößert. 1959 wurde ein neues Wohn-und Geschäftshaus mit Blumenladen an der Hindenburgstraße 13 fertiggestellt. Deutlich zu erkennen ist, dass zum Zeitpunkt der Aufnahme mehrere Gewächshäuser neu errichtet werden. Das Foto wurde ca. 1968 aus dem Wohnhaus gemacht. 1999 wurde das gesamte Gärtnereigelände eingeebnet und die Flächen neuen Nutzungen zugeführt. Hier befinden sich heute die Einzelhandelsmärkte ALDI, kik und Starke Bäcker nebst Parkplätzen/Zufahrt. Links im Bild sind Gebäude der Seifenfabrik Wencke zu sehen.

Juni 2017: Milchwagen Brümmer aus St. Magnus (1964)
Quelle: HVL-Archiv

Dieses Bild erinnert uns an eine Zeit, als der Alltag in unserem Stadtteil noch stark durch die Landwirtschaft geprägt wurde: Bauer Brümmer aus St. Magnus fährt mit seinem Pferdegespann auf dem Rückweg von der Molkerei in Burg (Bremerhavener Heerstraße 16, gegenüber Bahnhof Burg) durch die Straße An der Lesumer Kirche, um die geleerten Milchkannen zurück zu ihren Besitzern zu bringen. Dabei brachte er oft auch Pakete aus Burg mit und lieferte sie aus.

Zu dieser Zeit war die Straße noch keine Einbahnstraße. Bauer Brümmer wohnte in dem alten Bauernhaus in St. Magnus in der Pumpenstraße, Ecke Auf dem hohen Ufer. Die 1934 gegründete Molkerei in Burg wurde bis zur Fusion der Molkereigenossenschaft Lesum-Burgdamm mit den benachbarten Genossenschaften aus Uthlede, Schwanewede und Wallhöfen zur Molkerei-Union Bremen-Nord im Jahr 1972 betrieben. In dem Gebäude befinden sich heute eine Teppichreinigung und eine Arztpraxis, einige Jahre lang wurde hier auch Mineralwasser gefördert und abgefüllt.

Juli 2017: Ausgrabung Vielstich an der Oberreihe (1981)
Quelle: W. Boetker

Bei Erdarbeiten im Zuge der Errichtung der Wohnsiedlung „Am Mönchshof“ wurde im Juni 1981 gegenüber dem Lesumer Hof ein gut erhaltener, tonnengewölbter Brennofen der 1756 von Johann Christoph Vielstich gegründeten Lesumer Fayencemanufaktur ausgegraben. Vielstichs Fayencemanufaktur war nicht nur für ihr hochwertiges
Tischgeschirr bekannt, sondern auch für ihre hohen Kachelöfen, von denen einer noch heute im Schönebecker Heimatmuseum zu besichtigen ist. Nach der Blütezeit im 18. Jahrhundert musste die bis 1933 von der Familie Vielstich geführte Töpferei wegen der zunehmenden Konkurrenz durch die industrielle Porzellanproduktion auf Gebrauchskeramik umstellen. Der ausgegrabene Brennofen ist in der Aula der Grundschule Am Mönchshof ausgestellt.

August 2017: Schützenumzug durch Lesum (1971)
Quelle: A. Funcke

Das Foto zeigt den Schützenumzug des Jahres 1971 in der Straße An der Lesumer Kirche, Ecke Deichweg. Im Vordergrund sind die Schützen der „Bückeburger Jäger“ zu sehen. Das erste Schützenfest des ältesten Bremer Schützenvereins wurde 1855 auf dem „Munkhoff“ (Mönchshof) in Lesum gefeiert. Damals fand auch der erste Schützenumzug statt. Nachdem das Interesse der Bevölkerung an den Festlichkeiten deutlich nachgelassen hatte,beschloss der damalige Vereinsvorstand im Jahr 1989, künftig auf das Festzelt, den Umzug und den Kirmes in Lesum zu verzichten.

September 2017: Wohn- und Geschäftshaus Aissen/Brunnert (1965)
Quelle: HVL-Archiv

Am ehemaligen Lesumer Standort der Sparkasse, in deren Gebäude nach der Kernsanierung 2015 die Bäckerei Rolf ihr „Café Lesum“ eröffnet hat, stand bis 1965 das Wohn- und Geschäftshaus Aissen/Brunnert. Von 1848 an war hier zunächst Heinz Goldberg, der erste Schlachter Lesums, ansässig. Ab 1892 diente es als Geschäftshaus von Friedrich Aissen. Nach dessen Tod übernahm der langjährige Mitarbeiter Richard Bruns den Laden, in dem es Bekleidung, Lodenmäntel, Unterwäsche, Garne, Knöpfe und vieles mehr zu kaufen gab. Lisa Brunnert, geborene Walter, führte anschließend dort ein Mode- und Textilgeschäft. Im rechten Teil des Hauses wohnte Familie Bruns. Hinter den beiden Fenstern im Giebel befand sich zu Bruns‘ Zeiten die Federkammer. Der kleine Glaskasten links im Bild diente dem TSV Lesum als Mitteilungskasten.

Oktober 2017: Alte Schule Burgdamm (1977)
Quelle: HVL-Archiv

An der Stader Landstraße/Ecke Burgdammer Straße wurde 1862 auf dem Grundstück des Turnauschen Hofes eine eigene Schule für Burgdamm errichtet. Veranlasst wurde der Schulbau durch den Lesumer Superintendenten Ruperti sowie den Conducteur Pellens und den Gemeindevorsteher Baumbach, beide Burgdamm. Der erste Lehrer
in der zweiklassigen Volksschule war Heinrich Seekamp. Die Schule wurde Anfang der 1950er Jahre durch den Neubau an der Stargarder Straße ersetzt, bis in die 1970er Jahre aber noch für den Schulbetrieb genutzt, danach als Jugendfreizeitheim des ASB. Auch eine Polizeistation war dort vorübergehend untergebracht. Zuletzt vom Beschäftigungsträger Bras e.V. angemietet, steht das Gebäude der ehemaligen Dorfschule seit 2014 leer.

November 2017: Café Wolpmann (ca. 1965)
Quelle: HVL-Archiv

Der „süße Ort in Bremen-Nord“ wurde Ende 1949 als erstes Café gegenüber dem Gummibahnhof eröffnet. Es gab Backwaren, Konditoreierzeugnisse (Baumtorte!) und Eiscreme zu kaufen. Mit Blick auf das Ihletal und Lesum feierte man im rückwärtigen Wintergarten Familienfeste oder ging „Kaffeesieren“. Nach dem Tode von Helmut Wolpmann führte Hermann Schultz den Betrieb weiter. Können Sie uns die genauen Daten nennen? Helfen Sie uns! Heute (2016) werden im „Bodrum Kebaphaus“ orientalische Schnellgerichte serviert.

Dezember 2017: Lesumer Marktplatz (ca. 1965)
Foto: Dr. L. Stoess

Das vom Lesumer Arzt Dr. Stoess vom Dach seines Hauses „An der Lesumer Kirche“ aufgenommene Foto zeigt den Lesumer Marktplatz bei winterlicher Witterung. Vorne links das heute unter Denkmalschutz stehende Hincke-Haus von 1894, ehemals „Colonialwarenhandlung, Bäckerei und Gastwirtschaft“, in dessen Anbau Anfang der 1960er Jahre der erste Lesumer Discounter „Kafu“ eröffnete. Auf der anderen Straßenseite ist das Wohnhaus der Familie d’Oleire zu sehen, in dem sich heute nach stärkeren baulichen Veränderungen die Boutique „Tim Christine Moden“ befindet. Rechts daneben das in den 1980er Jahren abgerissene Gebäude der Steindruckerei Oese. Der Marktplatz ist damals noch in erster Linie Parkplatz, die Telefonzelle gab es noch (mindestens) bis in die späten 1970er Jahre.