HVL-Kalender 2019 "Sommergärten und Ausflugslokale"

Der HVL-Heimatkalender 2019 ist ab sofort erhältlich!
Verkaufsstellen:
Heimathaus (Di. 15-17h),
Papier & mehr (Hindenburgstraße 46),
Lesumer Lesezeit (Hindenburgstraße 57),
Buchhandlung Seitenweise (Hindenburgstraße 9)

Bereits im 19. Jahrhundert wurde die „Bremer Schweiz“ mit ihrer von Geestrand und Lesumverlauf geprägten reizvollen Landschaft und vielfach noch dörflichen Siedlungsstruktur von Stadtbremern als attraktives Ausflugsziel entdeckt. Vor allem nach der Eröffnung der Eisenbahnverbindung bis nach Vegesack im Jahr 1862 strömten speziell an den Sommerwochenenden zahlreiche Ausflügler an die Lesum.

Mit dem Heimatkalender 2019 möchten wir an die große Zahl und Vielfalt an Gaststätten und Sommergärten in unserem Stadtteil erinnern, von denen viele überregional bekannt waren.

 Manche der dargestellten Gaststätten wurden in den vergangenen Jahrzehnten abgebrochen, manche werden heute als Wohnhäuser genutzt. Falls Sie neugierig geworden sein sollten und sich fragen sollten, wo genau sich das eine oder andere dargestellte Ausflugslokal genau befunden hat - unter jedem Foto finden Sie den Link zum Standort!

Wie schon bei den zurückliegenden HVL-Heimatkalendern möchten wir auch beim aktuellen Heimatkalender 2019 die Gelegenheit nutzen, Ihnen weitergehende Informationen zu den Motioven anzubieten.

Außerdem können Sie auf einer digitalen Karte die genaue Lage der abgebildeten Sommergärten und Ausflugslokale nachvollziehen. Hier geht es zur Übersichtskarte!

Januar 2019: Gartenwirtschaft von W. Blöte (St. Magnus)

Die auf der Ansichtskarte von 1899 abgebildet Gartenwirtschaft von W. Blöte gehörte einst zu den schönsten Vergnügungslokalen und war ein beliebter Ausflugsort in der Bremer Schweiz. An allen Sonn- und Feiertagen fand dort ein sog. Elite-Ball statt. Es gab schöne Fremdenzimmer mit exzellenter Verpflegung. Der Gasthof war wegen seiner Nähe zum Bahnhof St. Magnus sehr beliebt und von vielen Bremern gern aufgesucht.

Später hieß die Gaststätte „Bremer Schweiz“ und „Schweizerhaus“. Das Lokal musste jedoch dem Ausbau des Bahnhofs, der neuen Bundesstraße 74, sowie der darüber führenden Brücke weichen.
Hier klicken, um den Standort der Gartenwirtschaft von W. Blöte auf einer Karte anzuzeigen.

Februar 2019: Gasthof zum grünen Thal (St. Magnus)

Die Sommerwirtschaft "Im grünen Thal" am Admiral-Brommy-Weg ist aus dem gleichnamigen kleinen Kolonialwarenladen von Johann Dietrich Rothfos hervorgegangen. Das im damals modernen "Schweizer Stil" errichtete Gebäude wurde 1899 fertiggestellt. Es wurde mindestens bis in die 1930er Jahre als Gastwirtschaft betrieben, später von Harry Öst. Das Gebäude existiert noch heute und wird als Wohnhaus genutzt. Bernhard Rothfos, der Sohn von J.D. Rothfos, hat sich einen Namen als einer der bedeutendsten Kaffeeimporteure weltweit gemacht.
Hier klicken, um den Standort des Gasthofs zum grünen Thal auf einer Karte anzuzeigen.

März 2019: Woltemath’s Sommergarten (Lesum)

Am Ende der heutigen Straße Am Lesumhafen, Ecke Admiral Brommy Weg, gab es nachweislich seit 1652 eine Schankwirtschaft, die zunächst vorwiegend von Moorbauern und Torfschiffern aus dem Teufelsmoor angesteuert wurde. 1926 übergab der damalige Gastwirt und Hafenmeister Hein Tietjen das „Habenhus“ an Johann Woltemath, der es in Woltemath`s Sommergarten umbenannte. Das Foto entstand ca. 1928.

Links neben dem Haus stand eine stattliche alte Linde, die etwa in vier Metern Höhe ihre Äste wie ein aufgeklappter Regenschirm in alle Himmelsrichtungen ausstreckt. Hier ließ der Besitzer eine hölzerne Plattform für eine kleine Musikkapelle zimmern, wo jahrelang an Sonn- und Festtagen musiziert wurde. Nachdem 1929 ein Jüngling einer älteren Dame beim Kaffeetrinken aus dem Baum direkt auf den Schoß plumpste, war es mit dieser schönen Musikattraktion leider vorbei. Die Linde lässt sich – wenngleich mit stark beschnittener Krone – immer noch bewundern. Nachdem die reitgedeckte Gaststätte bei einem Großbrand 1939 abbrannte, wurde im Folgejahr das neue Landhaus gebaut. Es wurde im Jahre 1973 endgültig geschlossen und dient heute als Wohnhaus.
Hier klicken, um den Standort von Woltemaths Sommergarten auf einer Karte anzuzeigen.

April 2019: Villa Marßel (Burgdamm)

Die 1893 von Gutsbesitzer Johannes Pellens (1853 - 1930) für seine Frau Alma, geb. Brinkama, erbaute Villa Marßel wurde bereits im Jahr 1900 grundlegend umgestaltet. In den oberen Etagen wurde ein Hotel für „länger ausspannungsbedürftige Leute“ untergebracht, während das Erdgeschoss ein vielbesuchtes Ausflugslokal beherbergte. Eine Freitreppe öffnete das Haus zum Garten, der im englischen Stil angelegt war. Vom Turm aus konnte man bis zur Weser blicken.

Drei Motorboote (Alma, Milda und Jonny) fuhren täglich die Ausflügler von der Burger Brücke zum Anleger bei der Villa Marßel.

Auf einer Werbung für die Bootsfahrten dorthin heißt es: „Villa Marßel ist die Perle der Bremer Schweiz und hoch am Berge gelegen. Schönster Aussichtspunkt. Tannen und Laubwaldungen unmittelbar an der Villa. Park mit Ruhesitzen und ausgedehnten Spazierwegen. Gedeckte Veranden beim Hause.“

Der Abriss des Gebäudes erfolgte 1976.

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Mai 2019: Tanz- und Ausflugslokal Hoher Kamp (St. Magnus)

Das Tanz- und Ausflugslokal „Hoher Kamp“ (Ansichtskarte von 1940) befand sich in einem flachen, langgestreckten Anbau der Villa „Gut Hoherkamp“, dem einstigen Wohnsitz von Leopold Biermann (1875-1922) und seiner Familie. Der Sohn des Bremer Zigarrenfabrikanten gehörte zum Kreis der bedeutenden Bremer Kunstförderer. Nach dem Tode Biermanns wurde die bereits nach dem 1. Weltkrieg zu groß und zu kostspielig gewordene Villa unter seinen Erben aufgeteilt. Der mittlere Teil wurde abgerissen und zwei Villen entstanden. An den östlichen Bauteil wurde ein langgestreckter Anbau angefügt, worin sich die beliebte Gartengastronomie etablierte – ein „Tanzparadies“, wie es auch genannt wurde. 1968 renovierte Günter Schulze das Gasthaus und die Tanzräume zum „Airship“.

Hier klicken, um den Standort des Tanz- und Ausflugslokals "Hoher Kamp" auf einer Karte anzuzeigen.

Juni 2019: Sommergarten von Café und Konditorei Janssen (Burg-Grambke)

Die 1888 von Dirk Janssen gegründete und 1930 von seinem Sohn Heinrich übernommene Konditorei Janssen war vor allem wegen ihres „Burger Wickelkuchens“ weit über Bremen hinaus bekannt. Sie hatte ihren zentralen Standort an der Burger Heerstraße (zuletzt Landbäckerei Warms, im Herbst 2018 leerstehend). Das Gartencafé mit Spielplatz war idyllisch auf der rückwärtigen Gartenseite des Gebäudes gelegen. Das Areal ist heute Teil des Parkplatzes hinter dem Ärztehaus. Die Konditorei ist 1957 von Max Friedrich Paust übernommen worden, spätere Pächter waren H. Graf und Bäckerei Czech. Im Hintergrund gut erkennbar ist die Burger Apotheke, die erstmals 1904 eröffnete.
Hier klicken, um den Standort des Sommergartens von Café und Konditorei Janssen auf einer Karte anzuzeigen.

Juli 2019: Gaststätte „Stadt Hannover“ (Lesum)

1853 wurde das Gasthaus „Stadt Hannover“ mit Sommergarten von Johann Wischusen und seiner Ehefrau Gesche Margarete, geborene Solte errichtet. Hier spannten oft über 100 Bauernwagen beim regelmäßigen Kirchenbesuch aus. Durch Einheirat übernahm 1875 Diedrich Meyer aus Schönebeck mit seiner Frau Johanne, geborene Wischhusen, den Dorfkrug „Meyer up`n Barg“. 1896 stockte Meyer jun. das Gebäude auf und schuf einen Tanzsaal mit Bühne und Kohleofen. Der letzte Besitzer, Heinrich von der Felsen, erwarb das Gebäude in den 1930er Jahren und führte das Gasthaus unter dem Namen „Bremer Schweiz“ weiter. Er stattete den großen Tanzsaal mit Stanniolpapier aus und gab ihm den Namen „Kristallpalast“.

Die Kirchengemeinde erwarb das Grundstück mit dem Gebäude, um es umzubauen und für kulturelle Veranstaltungen und die Volkshochschule nutzen zu können. Es stellte sich jedoch heraus, dass das Gebäude zu baufällig und eine Renovierung zu kostspielig war. So wurde es im August 1957 nach 104 Jahren abgerissen und es entstand das noch heute dort stehende Lesumer Gemeindehaus.
Hier klicken, um den Standort der Gaststätte "Stadt Hannover" auf einer Karte anzuzeigen.

August 2019: Imhoffs Gaststätte mit Sommergarten (Werderland)

Das Foto von Imhoffs Gaststätte“ mit Sommergarten vor dem Deich entstand ca. 1956. Der Blick auf die Weser mit ihrem damals noch lebhaften Schiffsverkehr war eine Attraktion. Die Wirtschaft erlebte schon nach 1885 einen regen Betrieb durch Sonntagsausflügler, so dass sie erweitert und ein Garten an der Weser angelegt wurde. Um 1890 holte H. Imhoff seine Gäste noch mit seinem Fährschiff persönlich rudernd über die Weser. Auch das Fahrgastschiff „Weser“ brachte später Ausflügler in die Schiffs Gaststätte „Zur Moorlosen Kirche“.

Im Jahre 2016 wurde der Deich erhöht, eine neue Spundwand gerammt und der Garten vor dem Deich neu eingerichtet, sodass es auch heute noch möglich ist das Lokal zu besuchen und dort den Ausblick auf die Weser zu genießen. Leider kommen heute nur noch selten solch große Schiffe vorbei.
Hier klicken, um den Standort von Imhoffs Gaststätte auf einer Karte anzuzeigen.

September 2019: Haesloops Sommergarten „Unter den Linden“ (Burg-Grambke)

Die Abbildung zeigt die Sommergaststätte „Unter den Linden“ des Land- und Gastwirts Hinrich Melchior Haesloop mit Clubraum für 45 Personen und Garten-Kegelbahn. Als Spezialität wurde das Aalessen angeboten. Als die Straßenbahn noch an der Burger Brücke endete war die Gaststätte ideal gelegen für Ausflügler aus der Stadt, die entlang der Lesum Richtung Wasserhorst spazierten. Im Winter kamen die Schlittschuhläufer zum Grogtrinken, denn die Eisfläche erstreckte sich bis zum Sommergarten. Zuletzt wurde die Gaststätte als „Burger Tenne“ betrieben, die Ende 2014 aus Altersgründen der Inhaber schließen musste.

Hier klicken, um den Standort von Haesloops Sommergarten auf einer Karte anzuzeigen.

Oktober 2019: Kurpark Burgdamm (Burgdamm)

Der Kurpark Burgdamm ist 1903 am ehemaligen Standort des Rittergut Marßel in direkter Nachbarschaft zum 1965 abgebrochenen Ritterhaus, dem einstigen Herrensitz der Ritter von Marßel, eröffnet worden. Das Anwesen verfügte über Fremdenzimmer, einen attraktiven Sommergarten, eine Kegelbahn, ein Jagdzimmer und einen großen, prunkvollen „Kaisersaal“. Nicht ganz zu Unrecht warb der letzte Eigentümer Friedrich Witte mit dem Slogan „Kurpark Burgdamm – größtes und vornehmstes Hotel und Sommerlokal in der Bremer Umgegend“. Bereits 1915 ereilte den Kurpark durch einen Großbrand ein jähes Ende. Lediglich der Seitenflügel des Gebäudes („Lloyd Kaffee“) ist heute noch erhalten.
Hier klicken, um den Standort des Kurpark Burgdamm auf einer Karte anzuzeigen.

November 2019: Wilhelm Meyer’s Restaurant und Café „Im Wiesengrunde“ (Lesum)

Die Aufnahme des kleinen Gartencafés mit dem Namen „Im Wiesengrunde“ entstand im Jahr 1913. Bäcker Wilhelm Meyer (1872 – 1928) ließ einen Holzkiosk nebst einer vorderen Schutzhütte auf seinem Grundstück errichten, das eine Verbindung zu dem Grundstück seiner Bäckerei An der Lesumer Kirche 2 (heute Weinhandlung „Cava Tappi“) aufwies. Er stattete das Restaurant mit Tischen und Stühlen aus, sodass Ausflügler, die von Bremen Burg kamen und durch den Heckenweg von Lesum nach Knoops Park spazierten, sowie auch viele Einheimische in seinem Lokal einkehren und eine erfrischende Pause machen konnten.

Wilhelm Meyer war zuvor Geselle bei Bäcker Dierksen gewesen. Er erwarb das Grundstück mit dem Gebäude und führte die Bäckerei mit Ausschank weiter. Ein großer Hausgarten und zwei Wiesen schlossen sich bis zum unteren Heckenweg (auch Verlobungsweg genannt) dem Grundstück an.
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Dezember 2019: Hotel und Café „ Villa Stromwinkel“

„Villa Stromwinkel“ wurde ca. 1902 von Gustav Kulenkampff (1849 - 1921), Sohn des erfolgreichen Kaufmanns und Politikers Johann-Gustav Kulenkampff (1811 – 1887) und selber Dirigent des Berlin-Charlottenburger Philamonischen Orchesters erbaut. Er erhielt dazu einen Teil des Grundstückes „Dreilinden“. Die Lesumbucht wurde aufgeschüttet, wodurch ein schönes Vorland geschaffen wurde. Das verschachtelte dreigeschossige Landgut „Stromwinkel“ folgte bis ins Detail dem Vorbild der englischen Landhausarchitektur. Auch eine Anlegestelle für Schiffe, die Tagesgäste von Bremen nach St. Magnus brachten, wurde geschaffen.

1933 – 1945 war das idyllisch gelegene Gebäude ein Müttergenesungsheim, bevor es nach dem Krieg in den Besitz der Stadt Bremen kam und ab 1947 als Ausflugslokal diente. Heinrich Erbe war als Inhaber des Hotel- und Pensionshauses der letzte Gastronom. 1952 wurde es von Reinhard Kulenkampff zurückgekauft und schließlich 1970 abgerissen.
Hier klicken, um den Standort von Villa Stromwinkel auf einer Karte anzuzeigen.