HVL-Kalender 2021 "Burglesum - wie es einmal war"

Siedlungsräume befinden sich in stetem Wandel. Viele kleine und größere, punktuelle

Veränderungen führen dazu, dass sich das Ortsbild allmählich verändert. Jede Zeit ist dabei durch ihre baukulturellen Vorlieben geprägt und hinterlässt ihre entsprechenden Spuren. Gleichzeitig gehen auch stetig bauliche Zeugnisse früherer Zeiten verloren. Sei es durch Abbruch vermeintlich nicht mehr zeitgemäßer Gebäude, durch Unglücke wie Brände oder durch veränderte Anforderungen an die jeweiligen Standorte.

In diesem Kalender möchten wir Ihnen (fast durchweg) Objekte und Gebäude vorstellen, die inzwischen aus dem Ortsbild verschwunden sind. Manche/r aus der älteren Generation wird sich noch an viele der Motive erinnern. Gerade für Jüngere oder später Zugezogene dürften sie aber überwiegend „Neuentdeckungen“ sein, die einen Eindruck vom einstmals vielerorts dörflichen Charakter und dem Alltagsleben unseres Stadtteils vermitteln.

Wie schon bei den zurückliegenden HVL-Heimatkalendern möchten wir auch beim aktuellen Heimatkalender 2021 die Gelegenheit nutzen, Ihnen weitergehende Informationen zu den Motiven anzubieten.

Außerdem können Sie auf einer digitalen Karte die damaligen Standorte der abgebildeten Motive nachvollziehen. Hier geht es zur Übersichtskarte!

TitelAltes Heimathaus, Bremerhavener Heerstraße 7 (1991, H.-R. Werner)

Das Haus wurde 1867 von dem Zigarrenfabrikanten Johann Friedrich Wilhelm Knoche erbaut. Er erfand die „Formenwickelbretter“, in denen Zigarren gleichmäßig geformt wurden. Im Keller des Hauses war Tabak eingelagert, der durch Bodenluken bis ins Dachgeschoss hinaufgezogen werden konnte. Auf dem Dachboden gab es Wohnräume für vier Familien. Das Haus diente später verschiedenen staatlichen und privaten Einrichtungen (AWO-Begegnungsstätte, Heimatverein Lesum (1976-2000), „Quartett-Vereinigung St. Magnus“, Malgruppe, Freundeskreis der Suchtkranken). 2004 musste das Haus einem dreigeschossigen Wohnhaus für geistig behinderte Menschen Platz machen.

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Januar 2021Bahnhof St. Magnus (1975, Manfred Gorontzy)

Am 08.12.1862 wurde die Eisenbahnlinie Burg-Vegesack eröffnet. Nachdem St. Magnus anfangs nur eine „Haltestelle“ erhielt, wurde später ein Bahnhofsgebäude mit überdachten Bahnsteigen, im Volksmund „Dat Lütsche Hüseken“ genannt, errichtet. 1908/09 entstand ein neues Bahnhofgebäude um dem ständig zunehmenden Ausflüglerstrom in die „Bremer Schweiz“ gerecht zu werden. Damals kostete eine Fahrt von Bremen nach St. Magnus noch 35 Pfennige.

Im Juli 1975 musste das traditionsreiche Bahnhofsgebäude dem Ausbau der Bundesstraße 74 weichen.

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Februar 2021: Haus Rose, An der Lesumer Kirche 8 (1935, Brigitte Rose)

Gerd Hashagen, der damalige Besitzer des Stehnkenhoff, erbaute das Haus 1751 für seinen Sohn Lüder. 1851 ging das alte Fachwerkhaus in den Besitz der Vorfahren der Familie Rose über. 1951 wurde das renovierungsbedürftige Haus abgerissen und es entstand das noch heute an dieser Stelle errichtete Doppelhaus. Heute ist in der linken Haushälfte ein Friseursalon ansässig. Die rechte Haushälfte befindet sich noch immer in Familienbesitz.

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März 2021: Doppelhaus Brühl/Kölln, Hindenburgstraße 45-47 (1968, Archiv HVL)

Das Doppelhaus wurde im Auftrag der Brüder Fuhrhof aus St. Magnus 1858 errichtet. Klempner Brühl war der Nachfolger. Er hatte seine Werkstatt im Kellergeschoss eingerichtet. In der rechten Haushälfte befand sich das Haushaltswaren- und Porzellangeschäft von Brühl. In der linken Haushälfte richtete sich im vorderen Raum Schneidermeister Kölln eine Schneiderei ein. Später befand sich dort ein Gardinenfachgeschäft. 1982 wechselte die linke Hälfte des Hauses den Eigentümer und "Cathrinchen", ein Secondhand-Geschäft für Kinderbekleidung und Spielzeug öffnete. Im Sommer 1985 erfolgte der Abriss des Gebäudes.
An diesem Platz entstand daraufhin ein durchgehendes Geschäfts- und Wohnhaus mit großen Rundbögen. Dort hielten Einzug: die Eichen-Apotheke, betrieben von dem Schwiegersohn der Familie Brühl und weitere Geschäfte.

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April 2021Haus Prott, Schlachterei, An der Lesumer Kirche 4, früher Am Brink 209 (ca. 1950, Archiv HVL)

Das Haus wurde 1733 von dem Fassbinder Johann Haßhagen aus Platjenwerbe erbaut. Um 1900 eröffnete Wilhelm Warnecke in der rechten Haushälfte eine Fleischerei. Als er nach Oslebshausen wegzog, übernahm August Reineward die Schlachterei. 1934 verlegte Wilhelm Prott seine Schlachterei aus Vegesack in dieses Haus. 1954 wurde es abgerissen und es entstand ein zweistöckiger Neubau mit zwei Geschäftsläden. Es ist noch heute in Familienbesitz.

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Mai 2021Hof Tweitmann, Stader Landstraße 26/28 (1989, H.-R. Werner)

An dieser Stelle sollen nachweislich bereits 1657 Hofgebäude bestanden haben, die 1813 in Flammen aufgingen. Ein neues Haus entstand 1814 für Johann Caspar Tweitmann , dessen Sohn Martin den Hof danach übernahm. Nach dem Tode des letzten Besitzers Hinrich Tweitmann im Jahr 1986, verfiel der Hof und wurde 2001 abgebrochen. Heute erinnern nur noch die mächtigen Eichen daran, dass es hier über 300 Jahre eine Hofstelle gab. Auf einem ehemaligen Grundstück des Bauern Tweitmann entstand in den 1950er Jahren die neue Grundschule Burgdamm.

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Juni 2021: „The Old Home“, Leeseweg 3 (ca. 1900, Wilma Heckmann)

Dieses alte Gebäude, eine alte Viertelstelle, wurde 1650 erbaut und war von 1792 bis zum Abbruch 1902 seit vier Generationen im Besitz der Familie Segelken. 1902 entstand an dieser Stelle ein Vierfamilienhaus, welches 1995 wieder abgerissen wurde und 1996 mit einem Einfamilienhaus der Familie Vielstich bebaut wurde.

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Juli 2021Restauration und Bierhalle Wilhelm Meyer, Grambker Heerstraße, Ecke Mittelsbürener Landstraße (ca. 1911, Archiv HVL)

Rechts befand sich die Bäckerei Meyer, die neben Backwaren auch alle Artikel des täglichen Bedarfs verkaufte. Anfangs hielt Bäcker Meyer auch selbst Schweine, um die Bäckereiabfälle zu verwerten. Nachts wachte ein respektabler, angeketteter Hund in den unteren Räumen.
Nachfolger war das „Gasthaus Dönnebrink“, später Gastwirtschaft „Mittelsbürener Eck“.

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August 2021Badeanstalt an der Lesum (ca. 1936, Ludwig Stoess)

Das Strandbad an der Lesum wurde am 21.06.1936 eröffnet. Der Architekt Dipl. Ing. Eberhard Gildemeister entwarf und baute diese für damalige Verhältnisse großzügige Anlage. Die Außenwand des Gebäudes bestand aus einem Staket in einer Höhe von circa drei Metern. Die Zwischenflächen des Holzgebäudes waren dunkelrot gestrichen. Am Eingang wehten vier Flaggen. Im Gebäude befanden sich 32 Einzelzellen zum Umkleiden und Toiletten. Es gab eine Duschanlage für Männer und Frauen. Auch ein Springturm wurde auf einem im Wasser liegenden Boot installiert. Leider brannte das aus Holz errichtete Gebäude zehn Jahre später (1946) aus unbekannten Gründen ab und wurde nicht wieder aufgebaut.

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September 2021Haus Wiechmann, Hindenburgstraße 33 (1962, Archiv HVL)

Dieses Haus wurde 1836 für Kapitän Buschmann erbaut. Über Jahrzehnte bewohnte es der Landarzt Dr. Lohmeyer, zuletzt die Familie Franz Wiechmann. Das danach im städtischen Eigentum befindliche Fachwerkhaus wurde 1962 zusammen mit dem Nachbarhaus Wachsmuth an seiner rechten Seite abgebrochen. Es wurde zerlegt und als „Schlosskate“ beim Schönebecker Schloss wieder errichtet. Auf dem Grundstück an der Hindenburgstraße befindet sich heute ein Parkplatz für die Schule Mönchshof und die Stadtteilbibliothek.

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Oktober 2021„Konsum Verein“, Stader Landstraße 13, früher 102 (1906, Archiv HVL)

Dieses zuerst eingeschossige Haus wurde 1875 durch Johannes Friedrich Kroll von Georg Bommers gekauft. Links befand sich der Verkaufsraum des „Konsum Vereins“, rechts die Wohnung des Verkaufsleiters Albert Menke. 1912 wurde es aufgestockt und 1913/14 mietete Cyriakus Blumenstein hier gewerbliche Räume für seine Druckerei. 1928 verkaufte die Erbengemeinschaft Oldermann das Zweifamilienhaus an den Malermeister Theodor Stöckmann, dessen Sohn Herbert den Betrieb übernahm.

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November 2021Haus Tannenhof, Tannenhof (ca. 1900, Archiv HVL)

Das Haus Tannenhof wurde um 1900 von Johann Friedrich Hackfeld als Sommersitz in Neu-Schönebeck gekauft. Er war der Neffe des Gründers der Firma Heinrich Hackfeld & Co. in Honolulu und trat 1900 als Nachfolger in die Firma ein. 1917 wurde Hawaii von den Vereinigten Staaten annektiert und die Firma des Konsuls als feindlicher Besitz enteignet. Haus Tannenhof, auch als Hackfeldsche Villa bezeichnet, hat als einziges der 2021er Kalendermotive bis heute überdauert. Etwas versteckt, hinter der Kirche St. Magni in St. Magnus, wird das Gebäude heute von der Kirche u.a. für die Kinder- und Jugendarbeit genutzt. Zu erreichen ist es über die Straße „Tannenhof“.

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Dezember 2021Hof Ficken, ehemals Lesumbroker Landstraße 71 (1960, Günter Eckhoff)

Dieses Haus im Werderland wurde 1790 vom Ehepaar Margareta Elisabet und Johannes Siemers erbaut. Auf dem großen Sturzriegel über der „groten Dör“ standen die Namen der Erbauer. Die letzten Bewohner des Hauses Sophie und Martin Ficken blieben kinderlos. Nach dem Tode ihres Mannes verkaufte Sophie das Haus 1969 an die Stadtgemeinde. Das unter Denkmalschutz stehende Haus wurde anfangs von Studenten bewohnt und stand dann leer. Anfang August 1970 brannte das 220 Jahre alte strohgedeckte Bauernhaus, einschließlich Schuppen und Scheune aus ungeklärten Gründen ab.

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