HVL-Kalender 2022 "Alte Straßenansichten"

Für diesen Heimatkalender haben wir aus unserem Archiv 13 Fotos herausgesucht, die an verschwundene oder veränderte Straßenansichten in den verschiedenen Burglesumer Ortsteilen erinnern sollen. Z.B sind die Hindenburgstraße, Stader Landstraße und Burger Heerstraße noch

aktuell, aber sie sehen nicht mehr so aus wie vor 50 oder 100 Jahren.

Es gibt Lücken in unseren Archivaufzeichnungen. Vielleicht können Sie uns mit weiteren Angaben zu unseren ausgewählten Motiven helfen oder Sie haben noch alte Fotos, die Sie dem Heimatverein zur Verfügung stellen möchten. Wir würden uns sehr darüber freuen.

 

Ihr Heimat- und Verschönerungsverein Bremen-Lesum e.V.

Wie schon bei den zurückliegenden HVL-Heimatkalendern möchten wir auch beim aktuellen Heimatkalender 2022 die Gelegenheit nutzen, Ihnen weitergehende Informationen zu den Motiven anzubieten.

Außerdem können Sie auf einer digitalen Karte die damaligen Standorte der abgebildeten Motive nachvollziehen. Hier geht es zur Übersichtskarte!

TitelBurger Brücke mit Taxe Kraus (Burg) (1933, Foto: Konrad Ehlerding)

Blick von der Bremer Seite Richtung Lesum. Rechts im Hintergrund das Alte Zollhaus. Seit über 600 Jahren ist diese Brücke eine wichtige Verbindung. Sie war lange Zeit die einzige Möglichkeit, um von Bremen aus die Lesum zu überqueren. Um 1350 wurde die erste Holzbrücke gebaut, die im Laufe der Zeit durch Krieg und Naturkatastrophen mehrmals erneuert werden musste. Die hölzerne Brücke von 1823 hatte eine aufziehbare Klappe, um Schiffe passieren zu lassen. Die erste Eisenbrücke wurde 1892 errichtet und auf preußischer Seite mit den Reichsadlern, auf Bremer Seite mit dem Bremer Schlüssel verziert. Im 2. Weltkrieg wurde sie kurz vor Kriegsende gesprengt. Amerikanische Pioniere bauten eine Behelfsbrücke. Ihr folgte eine Stahlbrücke, die 1951 für den Verkehr freigegeben wurde. 2013 wurde sie durch die jetzige Brücke mit

nächtlicher blauer Beleuchtung ersetzt

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Januar 2022Tabakfabrik Martin Wilckens Nachf. (Burgdamm, Stader Landstr.) (Gemälde, etwa 1920, Maler unbekannt)

1816 wurde das Fabrikgebäude der Tabakfabrik Martin Wilckens Nachf. auf dem ehemaligen Halbhof von Claus Jachens erbaut. Sie war eine der ältesten Zigarrenfabriken Bremens. An der linken Seite des Gebäudes befand sich das Wohnhaus des letzten Eigentümers Carl-Wilhelm Richtering. 1888 wurden auf der südlichen Straßenseite Kontor und Lager gebaut. 1898 übernahm Heinrich Wilhelm Richtering als Gesellschafter der Tabak-& Zigarrenfabrik „M. Wilckens Nachf.“ die Firma und wurde Alleininhaber. Die Fabrik war um 1914 wohl die größte Zigarrenfabrik im

damaligen Deutschen Reich mit zwei Filialen. Nach dem 2. Weltkrieg etablierte sich hier der Verlag Mans & Lange und ab 1959 die Firma Anker-Druck Rudolf Otto und Hans Karl Schröder. 2008 wurde das Kontor- und Lagergebäude zu einem Mehrgenerationenhaus mit dem Hauswirtschaftsmuseum „Köksch un Qualm“ (BRAS) im Kellergeschoss

umgebaut.

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Februar 2022: Hindenburgstraße 31-45 (Lesum) (1968, Dr. Ludwig Stoess)

Von rechts nach links: Stadtbibliothek, Reformhaus Ratjen, Wohnhaus Friedrich Kühlken, Wäscherei Welker, Wohnhaus/Praxis Dr. Eytemann und Dr. Pape, ehemalige Marktklause, Haushaltswaren Brühl Georg Welker erwarb das Fachwerkhaus 1914 und betrieb dort bis 1976 eine Wäscherei, deren Geschäftssitz danach nach Burgdamm verlegt wurde. Das hohe Haus nebenan ließ Dr. Eytemann 1854 bauen. Nach seinem Tod übernahm

Sanitätsrat Dr. Eduard Pape Wohnhaus und Praxis. Links daneben befand sich die Gaststätte Marktklause. Das Haus hat eine bewegte Vergangenheit. Erbaut wurde es 1845 vom Sattler Petersen. Im Verlauf der Jahre wurde das Haus von einem Mützenmacher, einem Hut- und Tapetengeschäft sowie einem Fotogeschäft genutzt. Zuletzt wohnte dort

der Schlosser Jan Dziurla, dessen Frau die „Marktklause“ betrieb. Anstelle dieser drei Häuser entstand das heutige mit Rundbögen ausgestattete Gebäude.

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März 2022 Hofmeierhaus Schotteck (St. Magnus)(1970, Archiv HVL)

Blick aus der Straße „Am Kapellenberg“ zur Straße „Auf dem Hohen Ufer“ mit Friedenseiche von 1871. Das Hofmeierhaus Schotteck im Schweizerhaus-Stil entstand 1891 an der Auffahrt zum Hauptgebäude im vorderen Teil des zugehörigen Parks und gehörte zum Anwesen von Adele Wolde geb. Knoop. Baumeister war Christian Bummerstedt. Ein Hofmeierhaus war damals, im Gegensatz zu den Villen, das ganze Jahr über bewohnt, damit der Verwalter stets nach dem Rechten sehen konnte, wenn die Herrschaften an einem anderen Ort weilten. Das Haus steht seit 2009 unter Denkmalschutz. Es wurde inzwischen in Eigentumswohnungen aufgeteilt. Von außen ist es noch fast im Originalzustand erhalten. „Schotteck“ ist abgeleitet vom Spitznamen von Georg „Schotte“ Wolde, der als sehr geizig galt. Er war Teilhaber der Geldwechselfirma Schulze und Wolde, die 1929 in der Deutschen Bank aufging.

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April 2022Grambker Heerstraße (Burg-Grambke) (1967, Archiv HVL)

Das Foto zeigt den Ortsweg parallel zur Grambker Heerstraße vom Uhrmachergeschäft Schaper (Nr. 95 - heute abgerissen) in Richtung Burg. Auch das Haus Nr. 97 gibt es heute nicht mehr. Es wurde durch einen Neubau ersetzt. Die weiteren fünf Häuser auf dem Foto (Nr. 103-111) stehen noch heute fast unverändert.

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Mai 2022: Neubausiedlung Up Willmannsland / Am Vogelbusch  (Lesum) (1965, Archiv HVL)

1955 bis 1957 wurde diese Siedlung der Gewoba mit über 300 Wohneinheiten nach Plänen der Architekten Max Säume und Günther Hafemann errichtet. Als Zentrum wurde das Hochhaus mit neun Wohnetagen gebaut, dessen Eingang man auf der rechten Seite des Fotos erkennen kann. Dieses Vorhaben war sehr umstritten. Insbesondere

erregte es als Nordbremens erstes Hochhaus Aufsehen. Die Siedlung wurde nach dem Bauern benannt, der seinen Acker dort verkauft hatte..

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Juni 2022: Burger Heerstraße mit Blick zur Lesumbrücke (Burg-Grambke) (1956, Archiv HVL)

Links steht das ehemalige Wohnhaus von Lamcken mit der nach dem Krieg im Garten errichteten Baracke. Rechts gegenüber ist die Burg-Apotheke zu erkennen. Im Hintergrund sieht man die Burger Brücke. Viele der Gebäude sind mit kleinen Veränderungen noch heute vorhanden..

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Juli 2022Bremerhavener Heerstraße (Burgdamm) (1964, Archiv HVL)

Die Bremerhavener Heerstraße (bis 1939 Bahnhofstraße) war bis in die 1960er Jahre mit Granitsteinen gepflastert. Auf der östlichen Seite der Straße verlief streckenweise ein Sandweg, der von Pferdegespannen genutzt wurde. Das Strohdachhaus links wird wahrscheinlich dort gestanden haben, wo sich jetzt die Garagen befinden (Nr. 58). Das Haus im Hintergrund Mitte wurde 1898 vom Herrenschneider Seekamp erbaut. 1912 kaufte Gastwirt Johann Schnaars das Haus, 1987 wurde es weiterverkauft und ist bis heute bewohnt.

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August 2022: Mittelsbürener Landstraße Nr. 36 und 37 (Werderland)  (1956, Archiv HVL)

DDie beiden Karkerhöfe (Höfe bei der Kirche). Aufnahme aus Richtung Niederbüren zu Bohes Gaststätte, daneben die auch heute noch bekannte Gaststätte „Zur Moorlosen Kirche“. 1856 kaufte der Grönlandfahrer und Fährmann W. Imhoff das Grundstück der heutigen Gaststätte „Zur  Moorlosen Kirche“ und erbaute ein neues Haus. Da viele Gäste, die mit dem Dampfer des Norddeutschen Lloyd ab 1885 nach Bremerhaven fuhren, in Mittelsbüren Halt machten, wurde die Gaststätte um Schankraum und Gästezimmer erweitert und ein Garten an der Weser angelegt. Zu der Zeit gehörte zu diesem Haus die Fährgerechtigkeit. In Bohes Gasthaus befand sich schon um 1700 eine Krugwirtschaft, die später auf das Nachbarhaus übertragen wurde. Das Dorf Mittelsbüren musste der Erweiterung der damaligen Klöckner-Hütte im Jahr 1957 weichen. Heute bestehen nur noch diese beiden Häuser, die Moorlosen Kirche sowie das ehemalige Schulhaus.

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September 2022Steindamm (Burgdamm) (1960, Archiv HVL)

Links im Bild befindet sich die Gaststätte „Zum Schwarzen Ross“ und das Fuhrunternehmen Syvarth, Am Steindamm 4. Der Besitzer Ferdinand Syvarth (verst. 1975), in der Bildmitte stehend, betrieb beide Unternehmen. Im Hintergrund des Fotos, auf der anderen Seite der Bahnlinie nach Bremerhaven sieht man das Hotel Winters, früher Weinhandlung

der Firma Reidemeister & Ulrichs. Gegenüber der Gaststätte war die Maschinenbau- und Holzbearbeitungsfirma Fritz Herpel ansässig. Die Gebäude sind heute nicht mehr vorhanden. Die Straße wurde für den Verkehr zur Stader Landstraße gesperrt. Auf dem Gelände befindet sich jetzt eine Recycling-Station.

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Oktober 2022: Schneiderstraße 5 und 8, früher Bahnhofstraße (Lesum)(1923, Archiv HVL)

Das Haus Nr. 5 auf der linken Straßenseite wurde 1906 vom Gewerberat Otto Kruse erbaut und 1922 erweitert. Auf der rechten Straßenseite steht das Haus der Firma Bielefeld. Bereits 1863 transportierte Hermann Heinrich Bielefeld, zugehörig zur „Lesumer Bauerngenossenschaft“, Torf, Holz und Sand. Nach seinem frühen Ableben übernahm sein Bruder Johann Christoph das Unternehmen, später dessen Sohn Heinrich Ernst. Er brachte Torf vom Lesumer Hafen in die Lesumer Haushalte. Um 1925 kam der Kohlenhandel dazu, sowie ein Möbelwagen, ein Leichenwagen und eine Droschke. 1930 trat der Sohn Fritz in das Geschäft ein. Danach wurde dessen Bruder Hans Geschäftsführer und übernahm den Handel mit Heizöl, den dessen Söhne Hajo und Fried unter dem Namen „Gebrüder Bielefeld“ weiterführten. Das Firmengebäude wurde 2015 abgerissen und durch drei Gebäudekomplexe mit 18 Eigentumswohnungen ersetzt.

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November 2022: Hof Schütte, Ecke Auf dem hohen Ufer / Billungstraße (St. Magnus) (1985, August Rohlfs)

Das Haus wurde 1896 erbaut von Arnhold Müller und seiner Frau Adeline geb. Gärdes. Nach deren Tod ging der Besitz an die Tochter Margareta und ihren Mann, den Bauern Friedrich Schütte über, nach dem der Hof benannt

wurde. Arnhold Müller war 15 Jahre Schiedsmann in St. Magnus. Er stammte von einem Hof am Kapellenberg, den Baron Knoop für die Versorgung seines Anwesens übernommen hatte. Heute sind die dazugehörigen Flächen aufgesiedelt und der Hof hat seine Funktion verloren. Die Bewirtschaftung des Hofes endete 1977/78. Das Haus steht noch immer unverändert und wird von einer Familie bewohnt.

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Dezember 2022Alt-Marßel (Archiv HVL)

Das Foto zeigt zwei Strohdachhäuser in der Straße „Marßel“. Das vordere Haus – es stand gegenüber dem heutigen Grundstück des Hauses Marßel 8 – gehörte Nicolaus Wessel. Von 1908 bis 1951 betrieb er hier eine Stellmacherei. Nicolaus Wessel war der Stiefsohn vom Stellmacher August Heckert, dem dieses Haus vermutlich vorher gehörte. Am Baum rechts steht ein manuell zu bedienender Kran, um Baumstämme anzuheben. Diese einst bäuerlich geprägte Straße gab dem nahe gelegenen Neubaugebiet später seinen Namen.

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